Du hast jemanden kennengelernt, die Nachrichten sind gut, vielleicht ein bisschen zu gut. Oder du willst einfach sicher sein, bevor du dich triffst. Beides ist vernünftig. Die Prüfung dauert etwa zehn Minuten. Du brauchst dafür kein technisches Wissen, nur ein Handy oder einen Laptop und etwas Sturheit.
Vorweg, damit es nicht falsch ankommt: Wer ein Profil prüft, unterstellt niemandem etwas. Echte Menschen bestehen diese Schritte ohne Mühe, meistens merken sie nicht einmal, dass es eine Prüfung war. Nur ein falsches Profil hat damit ein Problem.
Bei einer umgekehrten Bildersuche gibst du kein Suchwort ein, sondern ein Bild. Die Suchmaschine zeigt dir dann, wo es sonst noch auftaucht. Drei Werkzeuge reichen: Google Lens (in der Google-App oder in Chrome per Rechtsklick auf ein Bild), TinEye und die Bildersuche von Bing. Jedes findet andere Treffer, probier also alle drei.
Weil Dating-Apps Bilder selten herunterladen lassen, machst du einen Screenshot. Den schneidest du zu, bis nur noch das Foto übrig ist, ohne Namen, Knöpfe und Rahmen. Das verbessert die Treffer deutlich. Ist viel Hintergrund drauf oder stehen mehrere Leute im Bild, lohnt sich ein zweiter Versuch nur mit dem Gesicht.
Was die Treffer bedeuten: Taucht das Bild bei einem Instagram-Konto mit anderem Namen auf, bei einem Fitnessmodel, einem Arzt in Texas oder auf einer Seite mit Stockfotos, ist die Sache ziemlich klar. Kein Treffer heisst dagegen nicht «echt». Ein Porträt, das eine KI erzeugt hat, gibt es nirgends sonst, die Suche kann also nichts finden. Worauf du bei solchen Bildern achten kannst, steht in der Anleitung KI-Fotos erkennen. Üben kannst du es bei Echt oder KI?.
Die meisten Menschen hinterlassen im Netz Spuren, auch wenn sie mit Social Media nichts am Hut haben. Such den Namen zusammen mit Wohnort oder Beruf. Gibt es ein LinkedIn-Profil, das zu Alter und Fotos passt? Existiert die Firma, bei der die Person angeblich arbeitet, mit Website, Adresse und Telefonnummer? Taucht der Name dort irgendwo auf?
Achte besonders auf Berufe, die zufällig erklären, warum man sich nie sehen kann: Ingenieur auf einer Bohrinsel, Ärztin bei einer Hilfsorganisation im Ausland, Soldat im Einsatz, Geschäftsmann, der gerade in Dubai festsitzt. Solche Leute gibt es. Aber sie sind in Betrugsprofilen auffällig häufig, und der Beruf liefert jede Ausrede gleich mit.
Auch kleine Widersprüche zählen. Hat die Person letzte Woche noch in Zürich gewohnt und jetzt plötzlich in Basel? Passt das Alter im Profil zu dem, was sie über ihre Schulzeit erzählt? Du musst nicht Detektivin spielen. Schreib dir einfach auf, was dir auffällt, beim dritten Punkt siehst du das Muster von selbst.
Das ist der wirksamste Schritt, und genau der, den Betrüger am hartnäckigsten vermeiden. Du musst dafür kein langes Date planen. Schlag fünf Minuten vor, am besten über die Videofunktion der Plattform, dann gibst du keine Nummer heraus. «Ich will nur kurz sehen, dass du du bist» ist eine völlig normale Bitte.
Die Ausreden kennt man: Kamera kaputt, Internet zu schwach, am Arbeitsplatz keine Videos erlaubt, «nächste Woche bestimmt». Einmal kann das stimmen. Dreimal ist ein Muster. Und wenn ein Anruf zustande kommt, das Bild aber seltsam ruckelt, das Gesicht verschwommen bleibt und die Person kaum spricht: Bitte sie, mit der Hand vor dem Gesicht zu winken oder den Kopf zur Seite zu drehen. Echtzeit-Filter kommen damit schlecht zurecht.
Wenn ein Videoanruf gerade nicht klappt, gibt es eine Zwischenlösung: ein Foto mit etwas, das nur heute stimmt. Zwei Finger in die Kamera, ein Zettel mit deinem Vornamen, der Blick aus dem Fenster mit dem Wetter von jetzt. Wer echt ist , braucht dafür zwanzig Sekunden. Wer mit gestohlenen Bildern arbeitet, kann es nicht, und wer mit generierten arbeitet, braucht auffällig lange oder liefert etwas, das komisch aussieht.
(Ich habe das 2023 einmal gemacht, ganz ohne Verdacht, aus reiner Berufskrankheit. Zurück kam ein Foto von einem Gipfeli auf einer Serviette, auf der mein Name stand. Hat mir gefallen.)
Die Regel ist einfach und gilt ohne Ausnahme: Du überweist niemandem Geld, den du nicht persönlich getroffen hast. Keine Geschenkkarten, keine Kryptowährung, kein Darlehen für ein Flugticket, keine Zollgebühr für ein Paket. Auch keine Kopie deines Ausweises und keine intimen Bilder. Das Geld kommt praktisch nie zurück, die Bilder auch nicht.
Genauso wichtig: Bleib ein paar Tage auf der Plattform, bevor du auf WhatsApp oder Telegram wechselst. Dort kannst du ein Profil melden, und auf gemeldete Profile schaut laut Anbieter ein Mensch. Draussen bist du allein. Wie viel die grossen Dating-Seiten in der Schweiz tatsächlich prüfen, habe ich im Vergleich der Dating-Seiten mit Profilprüfung zusammengetragen. Und wenn du beim Lesen schon ein ungutes Gefühl hast, geh den Love-Scam-Check durch.
Nein. Viele finden es sogar angenehm, weil das erste Treffen danach weniger fremd ist.
Nicht unbedingt. Es heisst nur, dass das Foto nicht aus einem öffentlichen Konto kopiert wurde. Ein generiertes Porträt gibt es nirgends ein zweites Mal, darum ist der Videoanruf wichtiger als jede Suche.
Nicht weiter zahlen, auch nicht «die letzte Gebühr». Alles speichern: Chats, Profilbilder, Zahlungsbelege. Ruf sofort deine Bank an und erstatte Anzeige bei der Polizei. Und schäm dich nicht. Das passiert klugen Leuten, genau darum funktioniert es. Die Anlaufstellen findest du unter Hilfe.
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