Love-Scam-Check: Ist dein Chat zu schön, um wahr zu sein?

Love Scam heisst: Jemand baut über Wochen oder Monate eine Liebesbeziehung auf, nur um irgendwann an dein Geld zu kommen. Die Person dahinter ist oft nicht einmal eine Person, sondern ein Team, das mit Skripten arbeitet.

Das Muster ist erstaunlich gleichförmig. Ein attraktives Profil, meist mit einem Beruf, der viel Abwesenheit erklärt: Arzt in einem Krisengebiet, Offizier im Auslandeinsatz, Ingenieur auf einer Bohrinsel. Sehr schnell sehr viel Gefühl. Dann ein Problem, das sich nur mit Geld lösen lässt, und das nur vorübergehend. Wikipedia hat eine ordentliche Übersicht zum Romance Scam, falls du die Hintergründe lesen willst.

Der Check unten listet zwölf Signale, die in solchen Chats immer wieder auftauchen. Kreuz alle an, die auf deinen Kontakt zutreffen. Du musst nichts beweisen und nichts hochladen. Die Auswertung passiert in deinem Browser, niemand sieht deine Antworten.

Wenn du den Check für jemand anderen machst, zum Beispiel für deine Mutter oder einen Freund, dann macht ihn am besten zusammen. Wer verliebt ist, hört ungern von aussen, dass der Mensch am anderen Ende nicht existiert. Ein gemeinsames Durchgehen der Punkte ist weniger verletzend als ein «Merkst du das denn nicht?». Und rechne damit, dass die Person zuerst wütend wird, nicht auf den Betrüger, sondern auf dich. Das ist normal und geht meistens vorbei.

Ein einzelnes Signal heisst noch nicht viel. Auch echte Menschen haben kaputte Kameras und arbeiten im Ausland. Aber die Kombination zählt, und ganz besonders ein Punkt: Sobald jemand, den du nie live gesehen hast, dich um Geld bittet, ist Vorsicht keine Unhöflichkeit.

Kaum Warnsignale
Du hast höchstens ein Signal angekreuzt. Das ist unauffällig, ein einzelner Punkt kann viele harmlose Gründe haben. Bleib trotzdem aufmerksam, besonders wenn irgendwann das Thema Geld aufkommt.
Einige Warnsignale
Mehrere Punkte passen zu bekannten Betrugsmustern. Das muss nicht heissen, dass dein Kontakt ein Betrüger ist, aber jetzt ist ein guter Moment, das Profil zu prüfen: Bildersuche, Videoanruf, und kein Geld überweisen, bevor ihr euch getroffen habt.
Viele Warnsignale
Dein Chat zeigt viele typische Merkmale eines Love Scam. Überweise kein Geld mehr, sichere den Chatverlauf und sprich mit einer Vertrauensperson. Wenn du schon bezahlt hast, ruf sofort deine Bank an und erstatte Anzeige bei der Polizei. Die Schritte stehen direkt unter diesem Check.

Wenn es schon passiert ist

Vielleicht hast du den Check gemacht und ahnst jetzt, dass du schon zu weit drin bist. Vielleicht hast du bereits bezahlt, einmal oder mehrmals. Das ist ein furchtbares Gefühl, und es ist trotzdem der richtige Moment, zu handeln. Hier ist, was ich in dieser Reihenfolge tun würde.

  1. Hör auf zu zahlen. Auch nicht «ein letztes Mal», auch nicht, damit du dein früheres Geld zurückbekommst. Genau so verlängern Betrüger die Geschichte. Eine beliebte Fortsetzung ist übrigens der Anruf von jemandem, der angeblich dein Geld wiederbeschaffen kann, gegen eine Gebühr. Das ist dieselbe Masche, zweiter Teil.
  2. Sichere alles, bevor du etwas löschst. Screenshots vom Profil und vom Chatverlauf, Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Kontonummern, Zahlungsbelege, Gutscheincodes. Auch wenn du den Kontakt am liebsten sofort blockieren möchtest: erst sichern, dann blockieren.
  3. Ruf deine Bank an, und zwar gleich. Manchmal lässt sich eine Überweisung noch stoppen oder zurückholen, wenn sie erst Stunden alt ist. Bei Kreditkarten gibt es Rückbuchungsverfahren. Sag der Bank auch, falls du jemandem Zugang zu deinem E-Banking gegeben hast.
  4. Erstatte Anzeige bei der Polizei. Das geht bei jedem Polizeiposten, in vielen Kantonen auch teilweise online. Die Plattform cybercrimepolice.ch erklärt aktuelle Maschen und sagt dir, wie du vorgehst.
  5. Melde den Fall dem Bundesamt für Cybersicherheit. Das BACS sammelt solche Meldungen, damit Warnungen schneller rausgehen. Dein Fall hilft vielleicht, den nächsten zu verhindern.
  6. Melde das Profil auf der Plattform, auf der ihr euch kennengelernt habt. Die meisten Dating-Seiten und sozialen Netzwerke haben dafür eine Funktion. Das löscht vielleicht nicht die Bande dahinter, aber das Profil.
  7. Ändere Passwörter, wenn du im Chat Zugangsdaten, Codes oder Ausweiskopien geteilt hast. Mit einer Kopie deiner ID lässt sich zum Beispiel ein Konto oder ein Handyabo in deinem Namen eröffnen. Informiere in diesem Fall auch die Polizei ausdrücklich darüber, damit es im Protokoll steht.

Und dann noch der Punkt, der am schwersten ist: Scham ist kein Grund, zu schweigen. Die Polizei meldet jedes Jahr zahlreiche Fälle, von Leuten jeden Alters, jeden Bildungsstands, aus jeder Gegend. Das passiert klugen Leuten. Genau darum funktioniert es. Die Betrüger sind Profis darin, Vertrauen aufzubauen, und sie nehmen sich dafür mehr Zeit als die meisten echten Verehrer.

Rede mit jemandem darüber. Wenn dir das mit Familie oder Freunden zu schwer fällt, gibt es die Opferhilfe, die auch bei Betrug berät, und die Dargebotene Hand unter 143, wenn es dir einfach schlecht geht. Alle Adressen findest du auf der Seite Hilfe und Adressen.

Für das nächste Mal, und es gibt fast immer ein nächstes Mal, weil Namen auf solchen Listen weiterverkauft werden: Die Anleitung Profil prüfen zeigt dir, wie du einen neuen Kontakt in zehn Minuten überprüfst. Bildersuche, ein kurzer Videoanruf, und vorallem kein Geld an jemanden, den du nie getroffen hast.

 

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Andrea Iseli
Bern

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