Dating-Seiten mit Profilprüfung: die 7 im Vergleich

«Geprüfte Profile» steht heute auf fast jeder Dating-Seite. Die Frage ist, was damit gemeint ist. Ein Foto, das eine Software kurz anschaut? Eine bestätigte E-Mail-Adresse? Ein Mensch, der deinen Pass sieht? Ich habe mir sieben Plattformen angeschaut, die in der Schweiz aktiv sind, und nachgelesen, was jede selbst über ihre Kontrollen schreibt. Die Kurzfassung vorneweg: Eine systematische Identitätsprüfung beschreibt keine davon.

Damit du weisst, worauf das hier beruht. be2 habe ich 2023 mit einem echten Konto benutzt, über mehrere Monate. eDarling hatte ich 2022 ein paar Wochen, allerdings in einer Version, die es so nicht mehr gibt. Alles andere stammt aus den öffentlichen Seiten der Anbieter, ihren AGB, FAQ und Sicherheitsseiten. Die Preise stammen von Bestellseiten und aus Testberichten und können je nach Alter, Laufzeit und Rabatt abweichen.

Was «geprüft» hier konkret heisst

Die Sicherheitsseiten der sieben lesen sich fast gleich, und das hat einen Grund. Laut Anbieter gibt es automatische Fotoprüfungen, eine KI, die verdächtige Muster erkennen soll, verschlüsselte Verbindungen und eine Funktion zum Melden. Schreiben darf nur, wer seine E-Mail-Adresse bestätigt hat. Gemeldete Profile schaut sich ein Mensch an, und zwar ausdrücklich selektiv, also nicht jedes.

Was fehlt: ein Abgleich mit dem Ausweis, ein Selfie-Video, eine geprüfte Telefonnummer. Nichts davon wird als Standard beschrieben. Man sollte es nur wissen, bevor man «verifiziert» liest und innerlich abhakt, dass die Person echt ist. Eine bestätigte E-Mail-Adresse beweist, dass jemand ein Postfach hat. Mehr nicht.

Drei Lager statt einer Rangliste

Noten von 1 bis 10 gibt es hier nicht. Die Plattformen unterscheiden sich vor allem im Publikum, und was passt, weisst nur du. Deshalb drei Lager.

Ernsthaft suchen: be2, eDarling und Academic Singles, für alle, die eine feste Beziehung wollen und keine besondere Altersgrenze brauchen. Nach Lebensphase: Zusammen.ch, Verliebt ab 40 und Aktiv & Verliebt, dieselbe Absicht, aber mit einem klar umrissenen Publikum. Unverbindlich: C-Date, für Leute, die offen sagen, dass sie gerade keine Beziehung suchen. Eine legitime Absicht, ehrlicher als manches Profil, das «etwas Ernstes» verspricht.

Die sieben auf einen Blick

PlattformFür wenWas geprüft wird (laut Anbieter)Gratis möglich?Preis ab ca.Kündigung
be2Feste Beziehung, oft 40 bis 60Fotos automatisch, E-Mail bestätigt, gemeldete Profile teils manuellTest, Profil, PartnervorschlägeCHF 59.90 pro Monat (12 Monate)Spätestens 4 Wochen vor Ablauf
eDarlingFeste BeziehungWie be2Profil, PartnervorschlägeCHF 59.90 pro Monat (12 Monate)Spätestens 4 Wochen vor Ablauf
Academic SinglesGebildete Singles, feste Beziehung«Verifizierte Profile und geprüfte Bilder», Details nicht beschriebenTest, PartnervorschlägeCHF 59.90 pro Monat (12 Monate, Testberichte)Spätestens 4 Wochen vor Ablauf
Zusammen.chAb 50Wie be2Test, PartnervorschlägeCHF 59.90 pro Monat (12 Monate)Spätestens 4 Wochen vor Ablauf
Verliebt ab 40Ab 40, feste BeziehungWie be2Test, PartnervorschlägeCHF 69.90 pro Monat (12 Monate, Testberichte)Spätestens 4 Wochen vor Ablauf
Aktiv & VerliebtSportliche, aktive SinglesWie be2Test, PartnervorschlägeCHF 59.90 pro Monat (12 Monate, Testberichte)Spätestens 4 Wochen vor Ablauf
C-DateUnverbindliche Treffen, ab 18Erkennung von Phishing und Sextortion, E-Mail bestätigt, gemeldete Profile teils manuellAnmeldung; Frauen laut Testberichten gratisRund 80 bis 140 CHF pro Monat je nach LaufzeitFrist laut Bestellung beachten

be2: der Fragebogen, der zu viel weiss

be2 gibt es in der Schweiz seit Mitte der 2000er-Jahre, und es ist die Seite, die ich am besten kenne. Am Anfang steht eine Persönlichkeitsanalyse, die be2 «wissenschaftlich» nennt. Wie viele Fragen es sind, steht nirgends, mir kam es lang vor. Und ehrlich: Die Fragen haben mehr über mich verraten als mir lieb war. Das Ergebnis, eine Beschreibung des idealen Partners und die ersten Vorschläge bekommst du gratis. Für die Vorschläge zählen laut be2 Alter, Region, Einkommen und Aussehen.

Fotos sehen, unbegrenzt schreiben und per Video telefonieren geht nur mit Premium. Die Fotos der anderen siehst du zudem nur, wenn du selbst eins hochgeladen hast. Aus Sicherheitssicht mag ich nähmlich zwei Dinge. Das Videogespräch läuft innerhalb der Plattform, du musst also keine Handynummer herausgeben. Und Fotos im Chat kommen erst nach ein paar Nachrichten und mit Zustimmung, verschwommen, und sie verfallen 24 Stunden nach dem Öffnen. Lesebestätigungen gibt es bewusst keine.

Auf der Bestellseite von be2 stehen CHF 59.90 pro Monat bei 12 Monaten, bei 3 Monaten sind es rund 120 Franken im Monat. Apps gibt es für iOS und Android.

eDarling: gleicher Name, anderes Haus

Mein eDarling von 2022 hat mit dem heutigen wenig zu tun. Die Marke hat seither den Betreiber gewechselt und läuft jetzt auf derselben Technik wie be2. Die FAQ ist Wort für Wort dieselbe, die Sicherheitsmassnahmen also auch. Was ich 2022 erlebt habe, sagt über die heutige Seite nichts aus, deshalb lasse ich es weg.

Wer die Startseite heute liest, bemerkt eine Lücke: Vom Persönlichkeitstest, lange das Aushängeschild der Marke, ist dort keine Rede mehr. Der Slogan heisst jetzt «Bereit für etwas Echtes?», angesprochen werden Singles mit ernsthaften Absichten. Eine App gibt es in der Schweiz im Moment nicht, man nutzt die Seite im Browser. Viele Testberichte im Netz beschreiben noch das alte eDarling, mit Fragenzahlen und Zusatzpaketen, die nicht mehr stimmen.

Ein Pluspunkt: eDarling zeigt seine Preise auf einer öffentlichen Seite, ohne Anmeldung. Sie entsprechen der be2-Liste, also CHF 59.90 pro Monat bei 12 Monaten. Der einzige Unterschied, den ich gefunden habe, betrifft die Verlängerung des Halbjahresabos: Sie kostet hier 479.40 Franken, bei be2 sind es 599.40.

Academic Singles: Bildung als Filter

Academic Singles richtet sich an «gebildete, kultivierte Singles» und berücksichtigt bei den Vorschlägen ausdrücklich das Bildungsniveau. Wie viele Nutzerinnen und Nutzer tatsächlich studiert haben, steht auf der offiziellen Seite nicht. Die Prozentzahlen aus Testberichten widersprechen sich, also nenne ich keine.

Beim Thema Prüfung hat Academic Singles den forschesten Satz der sieben: Auf der Startseite ist von «verifizierten Profilen und geprüften Bildern» die Rede. Was genau verifiziert wird, beschreibt die Seite nicht. Ob mehr dahintersteckt als die üblichen Mittel, also automatische Fotoprüfung, bestätigte E-Mail und Kontrolle nach Meldung, lässt sich von aussen nicht sagen. Einen Ausweis musst du jedenfalls nirgends vorzeigen.

Der Ablauf ist der gewohnte: Fragebogen, Beschreibung des Wunschpartners, Vorschläge gratis. «Dating, Fotos und Chat» gibt es laut Anbieter nur mit Premium. Testberichte nennen ab ca. CHF 59.90 pro Monat bei 12 Monaten, kürzere Laufzeiten kosten deutlich mehr. Apps gibt es für iOS und Android. Wer gern unter Leuten mit ähnlichem Hintergrund und ähnlichen Gesprächsthemen sucht, findet bei Academic Singles zumindest eine Sortierung, die das ernst nimmt.

Zusammen.ch: ab 50, ohne Umwege

Zusammen.ch nennt sich schlicht «Online-Dating ab 50». Manche kennen die Seite noch als Kultivierte Singles: Im Sommer 2022 wurde umbenannt, die alte Adresse leitet heute hierher weiter. International heisst dasselbe Produkt Singles50.

Inhaltlich ist es das be2-Prinzip mit älterem Publikum: Persönlichkeitsanalyse, Ergebnis und Vorschläge gratis, Fotos für Nicht-Premium verschwommen. Videogespräche laufen laut Anbieter verschlüsselt innerhalb der Plattform. Den Fragebogen schätzen Testberichte auf rund 20 Minuten, das geht an einem Abend. Die Videofunktion finde ich hier besonders wichtig. Betrüger, die es auf Menschen über 50 abgesehen haben, wollen fast immer früh auf WhatsApp wechseln, und wer auf der Plattform bleibt, kann ein Profil noch melden. Wer nach vielen Jahren Ehe zum ersten Mal online sucht, trifft hier Leute in derselben Lage.

Auf der Startseite stehen laut Anbieter 57 Prozent Frauen, weiter unten 56 Prozent Männer im Premiumbereich. Kein Widerspruch: Der eine Wert zählt Angemeldete, der andere Zahlende, beide fürs ganze Netzwerk. Auf der Bestellseite von Zusammen.ch stehen CHF 59.90 pro Monat bei 12 Monaten. Apps gibt es für iOS und Android.

Verliebt ab 40: mitten im Leben

Die Startseite von Verliebt ab 40 trifft den Ton ziemlich gut: die Arbeit, die Kinder, der Ex-Partner, alles gleichzeitig. (Als ich 2022 angefangen habe, hätte ich mich darin sofort wiedererkannt. Nico war damals acht und fand, ich solle «einfach jemanden im Coop fragen».) Die Seite sagt offen, dass man hier kaum Casual Dates oder Seitensprünge findet. Wer ab 40 etwas Festes sucht, ist richtig.

Die Technik kennst du inzwischen: Persönlichkeitsanalyse, Vorschläge gratis, Filter nach Alter, Region, Einkommen und Aussehen, Videogespräche mit Premium. Geprüft wird laut Anbieter wie überall in diesem Netzwerk, also Fotos automatisch, E-Mail-Bestätigung, manuelle Kontrolle einzelner gemeldeter Profile. Eine App gibt es nicht, man nutzt die Seite im Browser, auch auf dem Handy.

Beim Preis liegt Verliebt ab 40 laut Testberichten etwas über be2: ab ca. CHF 69.90 pro Monat bei 12 Monaten, bei 3 Monaten um die 140 Franken. Ob sich der Aufpreis lohnt, hängt davon ab, wie wichtig dir die Altersgrenze ist. Warum sie weniger trennt, als man denkt, steht weiter unten.

Aktiv & Verliebt: für die mit Wanderschuhen

Die jüngste Marke der sieben, die Schweizer Adresse gibt es erst seit 2023. Aktiv & Verliebt wirbt um «sportliche Singles», also um Leute, die am Sonntag lieber auf den Gurten oder in die Berge gehen als am Samstag in eine Bar. Laut Testberichten sind die meisten zwischen 30 und 55. Der Ablauf ist bekannt: Persönlichkeitstest, Ergebnis und Vorschläge gratis, Videogespräche mit Premium. Eine App gibt es noch nicht.

Die grosse Zahl auf der Startseite verdient einen zweiten Blick. «Mehr als 400'000 Abenteurer» klingt nach einer riesigen Sportgemeinschaft. Laut der Fussnote des Anbieters sind das aber die aktiven Nutzer der gesamten Datenbank des Betreibers, nicht der Marke. Nicht gelogen, nur geschickt formuliert. Übrigens würde niemand merken, wenn du dich als Wanderin einträgst und die Schuhe seit drei Jahren im Keller stehen.

Auf Trustpilot beschweren sich laut Testberichten einige über automatische Verlängerungen. Preis laut Testberichten ab ca. CHF 59.90 pro Monat bei 12 Monaten. Wenn dir Bewegung im Profil wichtiger ist als Bildung oder Alter, schau dir Aktiv & Verliebt an.

C-Date: unverbindlich, und zwar ganz offen

C-Date sagt, was es ist: Dates, Kennenlernen, intime Momente, «kein Zwang, kein Festlegen». Zugang erst ab 18. Ich finde das ehrlicher als manche Seite für die grosse Liebe. Wer weiss, dass er oder sie gerade nichts Festes sucht, verschwendet hier niemandes Zeit.

Einen Persönlichkeitstest gibt es nicht. Stattdessen wählst du bei «Mein Typ» aus einer Reihe von Bildern die fünf aus, die dich am meisten ansprechen, und die Seite ordnet dich irgendwo zwischen klassisch und experimentierfreudig ein. Beim Thema Anonymität geht C-Date weiter als die anderen: Ein echter Name ist nicht nötig, Fotos lassen sich verschwimmen oder verpixeln, Galeriebilder bleiben verborgen, bis du sie auf Anfrage freigibst. Apps gibt es für iOS und Android.

Zur Prüfung: Auf der Startseite verspricht C-Date, alle Nutzer und Bilder zu prüfen, «Ehrenwort!» inklusive. Die Sicherheitsseite ist nüchterner, dort geht es um automatische Erkennung von Phishing und Sextortion, bestätigte E-Mail zum Schreiben und manuelle Kontrolle ausgewählter gemeldeter Profile. Frauen nutzen die Seite laut Testberichten gratis. Für Männer ist C-Date die teuerste der sieben, rund 80 bis 140 CHF pro Monat je nach Laufzeit. Das Abo verlängert sich automatisch.

Ein Betreiber, mehrere Schaufenster

Jetzt zum Grund, warum sich die Sicherheitsseiten so gleichen. Sechs der sieben Marken gehören derselben Firma, der be2 S.à.r.l. in Luxemburg: be2, eDarling, Academic Singles, Zusammen.ch, Verliebt ab 40 und Aktiv & Verliebt. C-Date gehört der Schwesterfirma Interdate S.A. an derselben Adresse. Das steht in jedem Impressum.

Wichtiger als die Firma ist die Datenbank. Laut den AGB von be2 werden Profile allen Kundinnen und Kunden vorgeschlagen, egal über welche Website oder App des Netzwerks sie sich angemeldet haben. Wer sich bei Zusammen.ch registriert, sieht also zum Teil dieselben Menschen wie bei be2. Für dich heisst das: Such dir die Marke aus, deren Publikum und Filter zu dir passen, und melde dich nicht überall an. Drei Abos bei drei Marken sind im Zweifel dreimal derselbe Teich.

Dazu das Kleingedruckte, das überall gleich ist. Abos verlängern sich automatisch um dieselbe Laufzeit. Die Bestellseite nennt eine Kündigungsfrist von 4 Wochen, kündige also spätestens 4 Wochen vor Ablauf, über den Link «Verträge hier kündigen» unten auf der Seite oder schriftlich. Wer im App Store oder bei Google Play gekauft hat, kündigt dort. Wichtig: Profil löschen ist nicht kündigen. Das Abo läuft weiter, auch wenn dein Profil weg ist, und Geld zurück gibt es dafür nicht. (Ich habe mir 2023 den Kündigungstermin am ersten Tag in den Kalender geschrieben. Langweilig, aber billiger.)

Was keine Plattform für dich prüft

Eine Fotoprüfung kann erkennen, ob ein Bild gegen die Regeln verstösst oder schon hundertfach im Netz liegt. Sie erkennt nicht, ob der nette Mann mit dem Golden Retriever in drei Wochen eine Zollgebühr für ein Paket braucht. Betrug zeigt sich im Verhalten, und das Verhalten sieht nur eine Person: du.

Die Muster sind erstaunlich stabil. Nie Zeit für ein Videogespräch, dafür lange, zärtliche Nachrichten. Eine Lebensgeschichte, die etwas zu gut passt. Ein schneller Wechsel auf WhatsApp oder Telegram. Und irgendwann ein Notfall, der Geld kostet. Dazu kommt: KI-Porträts sind inzwischen so gut, dass eine automatische Prüfung sie nicht zwingend erkennt. Es gibt ja kein Original, mit dem man sie vergleichen könnte.

Dafür gibt es hier drei Tests. Bei Echt oder KI? übst du an zehn Porträts, echte Fotos von generierten zu unterscheiden. Der Love-Scam-Check geht zwölf typische Signale aus Chats durch. Und der Beziehungs-Check hilft, wenn es nicht um Geld geht, sondern um Kontrolle. Wie du ein einzelnes Profil Schritt für Schritt prüfst, steht unter Profil prüfen.

Häufige Fragen

Prüft eine dieser Seiten meinen Ausweis?

Nach allem, was die Anbieter öffentlich schreiben: nein, nicht als Standard. Beschrieben werden Fotoprüfungen, bestätigte E-Mail-Adressen und Kontrollen nach Meldungen.

Bringt es etwas, bei mehreren Marken gleichzeitig Premium zu haben?

Selten. Wie oben beschrieben, überschneiden sich die Profile zu einem guten Teil. Mehr Abos heisst vor allem mehr Kosten und mehr Fristen im Kopf.

Was mache ich mit einem Profil, das mir komisch vorkommt?

Melden, über die Funktion im Profil. Genau dann schaut laut Anbieter ein Mensch hin. Bis dahin gilt: kein Geld, keine Ausweiskopien, keine intimen Fotos. Wenn schon Geld geflossen ist, findest du die richtigen Stellen auf der Seite mit den Hilfsadressen.

Gibt es Rabatte, wenn ich nicht sofort kaufe?

Oft ja. Bei C-Date nennen Testberichte rund 70 Prozent Rabatt etwa eine Woche nach der Anmeldung.

 

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Andrea Iseli
Bern

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