Ein generiertes Porträt sieht auf den ersten Blick aus wie ein gutes Handyfoto. Auf den zweiten auch. Erst beim dritten Blick, wenn man gezielt an die richtigen Stellen schaut, fällt oft etwas auf. Diese Stellen gehe ich hier durch.
Bildgeneratoren bauen ein Gesicht nicht so zusammen, wie ein Fotograf es aufnimmt. Sie berechnen Pixel, die statistisch zu einem Gesicht passen. Das Zentrum, also Augen, Nase und Mund, haben sie an Millionen Beispielen geübt und machen es entsprechend gut. Schwierig wird es dort, wo Dinge zueinander passen müssen: zwei Ohren, zwei Brillenbügel, ein Haaransatz, der in einen Hintergrund übergeht. Genau da lohnt sich das Hinschauen.
Mach das am besten auf einem grossen Bildschirm und zoom rein. Auf dem Handy im Tram sieht jedes Bild echt aus. Und schau dir, wenn möglich, alle Fotos eines Profils an, nicht nur das erste. Ein einzelnes Bild kann Glück haben. Bei fünf Bildern derselben Person fällt eher auf, dass das Gesicht von Foto zu Foto leicht anders aussieht, etwa die Form der Nase oder der Abstand der Augen.
Kein einzelnes Merkmal beweist etwas. Ein echter Mensch kann zwei verschiedene Ohrringe tragen (meine Nachbarin tut das absichtlich) und eine Brille mit krummem Bügel haben. Aussagekräftig wird es, wenn drei oder vier dieser Dinge im selben Bild zusammenkommen, oder wenn alle Bilder eines Profils denselben seltsamen Hintergrund haben.
Ich muss ehrlich sein: Diese Liste veraltet. Die ersten Gesichtsgeneratoren waren an den Ohrringen und am Hintergrund leicht zu entlarven. Neuere Modelle haben genau diese Schwächen gezielt verbessert. Zähne sehen heute meist normal aus, Hintergründe sind scharfer und stimmiger, Text im Bild klappt immer öfter. Wer sich ein Fake-Profil baut, kann zudem einfach das beste von hundert generierten Bildern auswählen und die restlichen wegwerfen.
Dazu kommt, dass viele Betrüger gar keine KI-Bilder brauchen. Sie klauen echte Fotos von echten Menschen, etwa von Instagram oder von einem Firmenprofil. Diese Bilder bestehen jeden optischen Test, weil sie echt sind. Nur gehören sie jemand anderem. Dagegen hilft eine umgekehrte Bildersuche, zum Beispiel mit Google Lens. Wie das Schritt für Schritt geht, steht in der Anleitung Profil prüfen.
Die Merkmale oben sind also ein Werkzeug, kein Urteil. Sie helfen dir, wenn ein Bild schlecht gemacht ist. Wenn es gut gemacht ist, helfen sie dir nicht, und du merkst das nicht einmal.
Das beste Indiz ist nicht im Bild, sondern im Verhalten der Person dahinter. Ein Mensch, der echt ist, kann früher oder später per Video telefonieren, wenigstens kurz. Er hat vielleicht Ausreden, aber nicht über Wochen. Ein Fake-Profil hat immer einen Grund, warum es gerade nicht geht: die Kamera ist kaputt, das Netz auf der Bohrinsel zu schwach, der Einsatz geheim.
Achte ausserdem auf Tempo und Druck. Echte Menschen verlieben sich selten innerhalb einer Woche unsterblich in jemanden, den sie nie gesehen haben. Und sie brauchen nach einem Monat Chat kein Geld für eine Zollgebühr, ein Flugticket oder eine Operation. Sobald Geld ins Spiel kommt, egal wie klein der Betrag oder wie herzzerreissend die Geschichte, ist das wichtiger als jedes Ohrläppchen.
Wenn du bei einem Chat ein ungutes Gefühl hast, geh den Love-Scam-Check durch. Der fragt genau diese Verhaltensmuster ab. Und wenn du dein Auge trainieren willst, bevor du das nächste Profil anschaust, probier das Quiz Echt oder KI. Dort siehst du die Merkmale von oben an konkreten Beispielen, und du merkst schnell, welche dir leicht fallen und welche nicht.
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